Année politique Suisse 2011 : Sozialpolitik / Soziale Gruppen / Ausländerpolitik
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Zulassung
Im Rahmen der ausserordentlichen Session zu Migration überwies der Nationalrat ein Postulat der CVP/EVP/glp-Fraktion betreffend der Erneuerung von Aufenthaltsbewilligungen von EU/EFTA-Bürgern im Falle von Arbeitslosigkeit. In einem Bericht soll die Landesregierung darlegen, wie die nach Ansicht der Verfasser der Motion zu liberale Vergabe von Aufenthaltsbewilligungen eingeschränkt werden könnte. Die Verfasser des Postulats störten sich insbesondere daran, dass auch Ausländer, welchen die Arbeitslosigkeit droht, die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung relativ einfach erhalten [11].
Die Ende des Vorjahres eingereichte Motion Tschümperlin (sp, SZ) mit der Forderung nach Berücksichtigung der Integration von Kindern bei Härtefallprüfungen kam im Juni in der grossen Kammer zur Erstbehandlung. Der Motionär begründete sein Anliegen damit, dass die Situation von Kindern bei Härtefällen nicht beachtet würde und der Entscheid von den Behörden oftmals ausschliesslich aufgrund der Integration der Eltern gefällt werde. Störend und nach Ansicht des Motionärs gegen das durch die UNO-Kinderrechtskonvention geschützte Kinderwohl verstossend sei dies besonders in Fällen, wo Kinder und Jugendliche seit Jahren in der Schweiz sind, hier die Schulen absolviert haben und über einen hohen Integrationsgrad verfügen. Im Nationalrat stimmte die SVP geschlossen gegen das Anliegen. Zusammen mit marginaler Unterstützung von FDP- und CVP-Parlamentariern kam die Opposition aber nur auf 63 Stimmen und die Motion wurde mit 113 Stimmen an den Ständerat überwiesen, wo sie im Herbst zur Diskussion stand. Die vorberatende Staatspolitische Kommission empfahl den Ständevertretern mit 8 zu 1 Stimme, die Motion anzunehmen. Kommissionssprecher Schwaller (cvp, FR) unterstrich die Notwendigkeit des Begehrens damit, dass – obwohl das Bundesamt für Migration den Kantonen bereits empfehle, die Kindesintegration bei Härtefällen ebenfalls zu berücksichtigen – dies noch nicht schweizweite Praxis sei. Der Ständerat folgte seiner Kommission und überwies die Motion an den Bundesrat [12].
Die SVP lancierte im Juli im Rahmen ihres Wahlkampfs für die eidgenössischen Wahlen vom Herbst des Berichtsjahres eine Volksinitiative „Gegen Masseneinwanderung“. Sie möchte die Artikel 121 und 197 der Bundesverfassung dahingehend abändern, dass die Schweiz die Zuwanderung unabhängig von internationalen Verträgen durch Kontingente regeln kann. Eine Annahme dieser Initiative würde aller Voraussicht nach die bilateralen Verträge mit der EU über die Personenfreizügigkeit gefährden [13].
In der Herbstsession nahm der Nationalrat, trotz gegenteiliger Empfehlung des Bundesrates, ein Postulat Aubert (sp, VD) mit parteiübergreifender Zustimmung von 179 zu 6 Stimmen an. Das Begehren verlangt vom Bundesrat eine Prospektivstudie zum detaillierten Fachkräftebedarf in einzelnen Berufsfeldern. Diese soll der Weiterentwicklung der Zulassungs-, Bildungs- und Arbeitspolitik dienen. Siehe dazu auch die Erläuterungen in Teil I, Kapitel 7a (Marché de l’emploi) [14].
Für Staatsbürger der EU-8 gilt seit Mai des Berichtsjahres die vollständige Personenfreizügigkeit. Ausführlich berichten wir darüber im Teil I, Kapitel 2 (Personenfreizügigkeit).
 
[11] Po. 10.3064: AB NR, 2011, S. 1724; Detailliert wird die Vorlage in Teil I, Kapitel 2 (Personenfreizügigkeit) beschrieben.
[12] Mo. 10.4043: AB NR, 2011 S. 1262; AB SR, 2011, S. 719 f.
[13] BBl, 2011, S. 6269 ff.
[14] Po. 11.3044: AB NR, 2011, S. 1733.