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  • Marra, Ada (sp/ps, VD) NR/CN

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Zuerst hatte die SPK-NR für die parlamentarische Initiative von Ada Marra (sp, VD) knapp (mit 12 zu 11 Stimmen) Folge geben empfohlen. Nach dem abschlägigen Entscheid der Schwesterkommission kam sie dann aber – wiederum knapp mit 12 zu 10 Stimmen bei einer Enthaltung – auf den Entscheid zurück und lehnte die Idee einer möglichen Neuregelung der Arbeitsorganisation des Parlamentes ab. Entsprechend wurde in der Herbstsession 2023 eine nationalrätliche Vorprüfung nötig.
Konkret forderte Ada Marra, die als Initiantin zu ihrer Initiative sprach, einen neuen Sessionsrhythmus. Seit 1848 treffe sich das Parlament alle drei Monate, um drei Wochen zu arbeiten. Die Welt habe sich aber seit damals geändert und das Parlament drohe seinen Einfluss zu verlieren, wenn es aufgrund der zu stark auseinanderliegenden Sitzungen nicht auf aktuelle Ereignisse reagieren könne. Marra nahm Bezug auf eine Studie, die Grundlage für den Bericht zu einem Postulat von Yvonne Feri (sp, AG; Po. 18.4252) bilde, die zeige, dass die dort befragten Parlamentsmitglieder mit dem aktuellen Sessionsrhythmus aus Gründen der Vereinbarkeit der Parlamentsarbeit mit Familie und Beruf oder aus Kritik an mangelnder Reaktivität auf Aktualität nicht zufrieden seien. Dies zeige, dass die Diskussion um die Organisation der Sessionen wichtig sei. Die Sprecherin der starken Kommissionsminderheit, Corina Gredig (glp, ZH) plädierte für Folgegeben und fand es «diskussionswürdig» kürzere, dafür regelmässigere Sessionen zu organisieren, um in Krisen rasch reagieren zu können – sie schlug zweiwöchige Sessionen alle zwei Monate oder einwöchige pro Monat vor. Die Kommissionssprecher Piero Marchesi (svp, TI) und Kurt Fluri (fdp, SO) erörterten, dass die SPK-NR in ihrer zweiten Sitzung zum Schluss gekommen sei, dass man die verschiedenen Krisen in der Vergangenheit bei einem alternativen Sessionsrhythmus kaum besser bewältigt hätte. Eine parlamentarische Session brauche sorgfältige Vorbereitung und bei Vorhaben, die rasch erledigt werden müssten, stehe das Instrument der Dringlicherklärung zur Verfügung. Eine dreiwöchige Session erlaube es ausserdem falls nötig, Differenzen in einer Vorlage in der letzten Sessionswoche zu bereinigen, was einen Effizienzgewinn darstelle. Eine Änderung des Sessionsrhythmus würde zudem viele weitere terminliche Anpassungen nötig machen – etwa bezüglich Kommissionssitzungen oder Fraktionstagungen. Auch Kurt Fluri nahm Bezug auf das Postulat Feri, das sich zur Bearbeitung in einer Subkommission des Büro-NR befinde. Der Bericht, der auf der von Ada Marra erwähnten Studie beruhe, werde wohl bald vorliegen. Gebe man in Entsprechung der Empfehlung der Kommissionsmehrheit der parlamentarischen Initiative keine Folge, könne dies auch als Zeichen dafür interpretiert werden, diese Arbeiten zuerst abwarten zu wollen. Die Mehrheit des Nationalrats folgte diesem Ansinnen und gab dem Anliegen keine Folge. In den 101 zu 83 Stimmen (2 Enthaltungen) widerspiegelte sich nicht nur die knappe Kommissionsmeinung, sondern auch die Haltung der geschlossenen Fraktionen von SP, GP und GLP (für Folge geben) bzw. SVP, FDP und Mitte (gegen Folge geben). Damit war das Geschäft erledigt.

Arbeitsorganisation des Parlamentes anpassen (Pa.Iv. 20.476)
Dossier: Parlament in Krisensituationen
Dossier: Vereinbarkeit der Parlamentsarbeit mit Familie und Beruf

Im Mai 2022, also rund ein Jahr nach ihrer Schwesterkommission, die der parlamentarischen Initiative von Ada Marra (sp, VD) für eine Änderung der Arbeitsorganisation des Parlamentes knapp Folge gegeben hatte, sprach sich die SPK-SR mit 8 zu 3 Stimmen gegen den Vorschlag aus. Die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Parlamentsmandat, die vom Vorstoss bezweckt werde, würde allenfalls gar erschwert, wenn der Sessionsrhythmus geändert würde und mehr kürzere Sitzungen stattfinden würden, an denen dann berufliche und familiäre Pflichten hintanstehen müssten. Einen Sessionsrhythmus zu finden, der allen Bedürfnissen gerecht werde, sei nicht möglich. Auch die Handlungsfähigkeit des Parlaments in Krisen sei nicht vom Sessionsrhythmus abhängig, weil stets auch ausserordentliche Sessionen einberufen werden könnten.

Wiederum ein Jahr später beugte sich die SPK-NR den Überlegungen ihrer Schwesterkommission und empfahl dem Nationalrat mit 12 zu 10 Stimmen bei 1 Enthaltung, der Initiative keine Folge zu geben. Sie schliesse sich hinsichtlich der Handlungsfähigkeit in Krisen den Überlegungen ihrer Schwesterkommission an, so die SPK-NR in ihrer Medienmitteilung. Monatliche Sessionen im Normalbetrieb würden zudem verhindern, dass ein Parlamentsmandat noch nebenberuflich ausgeübt werden könne. Zudem müsste die Parlamentsorganisation – etwa die Kommissionssitzungen oder die Zusammenarbeit mit dem Bundesrat – ganz neu geregelt werden. Die Mehrheit sehe deshalb keinen Handlungsbedarf. Die starke Kommissionsminderheit war jedoch weiterhin der Meinung, dass die Vereinbarkeit «mit anderen Verpflichtungen» leichter sei, wenn Sessionen häufiger, dafür kürzer stattfinden würden. Das Geschäft geht an den Nationalrat.

Arbeitsorganisation des Parlamentes anpassen (Pa.Iv. 20.476)
Dossier: Parlament in Krisensituationen
Dossier: Vereinbarkeit der Parlamentsarbeit mit Familie und Beruf

Delegationen und Vertretungen des Parlaments haben unter anderem die Aufgabe, die Schweiz zu vertreten. Da diese Delegationen hinsichtlich der Geschlechter häufig nur sehr einseitig und vor allem männlich zusammengesetzt seien, wiederspiegelten sie ein «veraltetes Gesellschaftsbild» und suggerierten, dass Frauen in der Schweizer Politik nicht vertreten seien. Mit dieser Begründung forderte Claudia Friedl (sp, SG) mittels parlamentarischer Initiative eine Mindestquote von 30 Prozent jeden Geschlechts in diesen Gremien.
Ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in parlamentarischen Vertretungen sei zwar ein berechtigtes Anliegen, befand eine 12 zu 10-stimmige Mehrheit (1 Enthaltung) der SPK-NR, es sei aber nicht mittels gesetzlicher Regelung umzusetzen. Bei der Zusammensetzung parlamentarischer Vertretungen müssten bereits mehrere Kriterien – Fraktionsstärke, Amtssprache, Landesregion – berücksichtigt werden. Eine Geschlechterregelung würde die Besetzung nicht nur verkomplizieren, sondern unter Umständen auch verunmöglichen – etwa wenn eine Fraktion nicht genügend Frauen stellen könnte. Mit den letzten eidgenössischen Wahlen sei die 30-Prozent-Quote zudem praktisch bereits erreicht worden.
In der Debatte zeigte sich die Kommissionsminderheit, vertreten durch Ada Marra (sp, VD) erstaunt, dass über dieses Thema überhaupt gesprochen werden müsse, sässen im Parlament doch mittlerweile 38.7 Prozent Frauen. Die Zahlen zeigten allerdings auch, dass in sechs der elf Delegationen ein Frauenanteil von 30 Prozent eben nicht erreicht würde. Ein zusätzliches Argument brachte Pierre-Alain Fridez (sp, JU) in die Debatte ein: Im Europarat werde eine 30-Prozent-Quote eingeführt und für diese Delegation aus der Schweiz müsse also sowieso eine entsprechende Regel gefunden werden. Kommissionssprecher Damien Cottier (fdp, NE) wies in der Folge darauf hin, dass sich die Kommission lediglich gegen eine gesetzliche Regelung wende; einer Absprache zwischen den einzelnen Fraktionen stehe aber freilich nichts im Weg. Mit einer formellen und starren Quote – so auch Barbara Steinemann (svp, ZH) ebenfalls für die Kommission – würden mehr Probleme entstehen als gelöst. Dies sahen 105 Parlamentsmitglieder anscheinend ebenso, womit der parlamentarischen Initiative keine Folge gegeben wurde. Immerhin 83 Stimmen aus den geschlossenen Fraktionen der SP, der GP und der GLP, unterstützt von drei FDP-Nationalrätinnen (Jacqueline de Quattro (fdp, VD), Anna Giacometti (fdp, GR), und Susanne Vincenz-Stauffacher (fdp, SG)), hatten die Idee einer Quote gutgeheissen. Drei weitere FDP-Nationalrätinnen (Doris Fiala (fdp, ZH), Christa Markwalder (fdp, BE) und Isabelle Moret (fdp, VD)) und SVP-Vertreterin Céline Amaudruz (GE) enthielten sich der Stimme.

Ausgewogenes Geschlechterverhältnis in parlamentarischen Vertretungen (Pa.Iv. 19.472)