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  • Frauen und Gleichstellungspolitik

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  • Parmelin, Guy (svp/udc) BR WBF / CF DEFR

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Im Frühjahr 2022 reichte Benjamin Roduit (mitte, VS) eine Motion ein, die auf die verstärkte Forschungsförderung zu Endometriose abzielte. So solle der SNF mit einem entsprechenden Forschungsauftrag betraut werden, wobei auch auf die finanziellen Auswirkungen der Krankheit auf die Krankenkassen und die Gesellschaft eingegangen werden soll. Der Bundesrat beantragte die Ablehnung der Motion.
Der Nationalrat befasste sich in der Herbstsession 2023 mit dem Vorstoss. Vor seinen Ratskolleginnen und -kollegen betonte der Motionär die Bedeutung seines Anliegens. Bedingt durch ihr Ausmass – eine von zehn Frauen sei von der Krankheit betroffen – und den mit ihr verbundenen Einschränkungen im täglichen Leben handle es sich bei der Endometriose um ein öffentliches Gesundheitsproblem. Oftmals werde die Krankheit aber erst nach vielen Jahren diagnostiziert – einerseits aufgrund ungenügenden Wissens in der Bevölkerung und bei der Ärzteschaft, andererseits wegen dem begrenzten Zugang zu Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Das Parlament habe sich bereits einige Male dem Thema Endometriose angenommen. Dennoch biete beispielsweise das Postulat der WBK-SR mit dem Titel «Für eine Strategie zur Früherkennung von Endometriose» nicht die benötigten Forschungsmittel für eine entsprechende Studie. Bundesrat Guy Parmelin beteuerte, dass sich Bund und Kantone dafür engagierten, dass Frauen mit Endometriose die notwendige Gesundheitsversorgung erhielten. Da die Regierung auf das «bottom-up»-Prinzip setze, bei welchem Forschende von Schweizer Hochschuleinrichtungen jederzeit einen Antrag für Mittel stellen können, um ihre wissenschaftlichen Projekte zu Endometriose durchzuführen, und es bereits mehrere solche Projekte gebe, beantrage die Landesregierung dennoch die Ablehnung der Motion. Mit 106 zu 76 Stimmen (bei 9 Enthaltungen) nahm der Nationalrat den Vorstoss jedoch an. Dabei stimmten die Fraktionen der SP, GLP und der Grünen geschlossen für den Antrag. Von der Mitte-Fraktion enthielten sich 7 Mitglieder ihrer Stimme, der Rest sprach sich ebenfalls für die Motion aus. Gegen den Vorstoss stimmten hingegen die Fraktionen der SVP und der FDP, wobei sich pro Fraktion je eine Person gegen die Fraktionsmeinung stellte und das Geschäft befürwortete. Die restlichen beiden Enthaltungen stammten aus den Reihen der FDP.
Dass das Thema nicht nur innerhalb des Parlaments zu reden gab, sondern auch in der Bevölkerung sehr präsent ist, zeigt etwa die Petition «Endometriose – Geben Sie Betroffenen eine Stimme!» (Pet. 22.2012), welche von 18'672 Personen unterschrieben wurde, sowie die Petition «Chancengleichheit für eine ganzheitliche sexuelle Gesundheit von Frauen» (Pet. 21.2035). Letztere war im Rahmen der Frauensession 2021 eingereicht worden.

Endometriose: Schluss mit den medizinischen Irrungen und Wirrungen (Mo. 22.3224)
Dossier: Behandlung der Petitionen der Frauensession 2021 in parlamentarischen Vorstössen

Ein Behandlungsgegenstand der Sommersession ist jeweils der Geschäftsbericht des Bundesrates, in welchem die Regierung jedes Jahr mit Hilfe verschiedener Indikatoren aufzeigt, wie gut die auf die Legislaturplanung abgestimmten definierten Jahresziele erreicht wurden. Ein entsprechender «Soll-Ist-Vergleich» lag dem Parlament auch für das Jahr 2021 vor. Wie bereits im Vorjahr wurde der bundesrätliche Geschäftsbericht mit einer speziellen Übersicht über die Beschlüsse im Rahmen der Covid-19-Pandemie ergänzt.

Der Nationalrat nahm in der Sommersession 2022 als Erstrat vom Bericht Kenntnis. Dass der Bericht im Rat nicht auf sonderlich grosses Interesse stiess, zeigt der Umstand, dass die Nationalratspräsidentin, Irène Kälin (gp, AG), gleich zwei Mal um Ruhe beten musste, damit die Berichterstatterinnen und Berichterstatter der GPK und der jeweiligen Subkommissionen ihre Voten vorbringen konnten. In diesen fassen die Sprecherinnen und Sprecher jeweils die wichtigsten Punkte des Berichts und die darüber mit den entsprechenden Departementsvorsteherinnen und -vorsteher geführten Gespräche zusammen. Prisca Birrer-Heimo (sp, LU) lobte in ihrem Votum, dass der Bericht im Vergleich zu früheren Jahren dank vielen tabellarischen Übersichten zu den einzelnen Indikatoren an Transparenz und Informationsgehalt gewonnen habe. Sie rügte allerdings die Beurteilung des Zielerreichungsgrades hinsichtlich des Ziels geregelter Beziehungen mit der EU. Die Bewertung «teilweise realisiert», was bedeute, dass 25 bis 74 Prozent der gesetzten Ziele erreicht worden seien, sei «grosszügig» und auch der Bundesrat habe in der Diskussion zugeben müssen, «dass der positive Ton ein wenig übertrieben sei». Die Beziehungen mit der EU nach dem Abbruch der Verhandlungen zum institutionellen Rahmenabkommen sei auch Querschnittthema für die Diskussionen mit allen Departementen gewesen – neben der Frage des Einflusses des Ukraine-Krieges auf die Arbeit in den Departementen. Hier seien etwa die Energieversorgungssicherheit, Sanktionen, Nahrungsmittelversorgung oder sicherheitspolitische Aspekte angesprochen worden. Mit dem Regierungskollegium sei auch die in den Medien verschiedentlich kritisierte mangelnde Zusammenarbeit innerhalb des Bundesrats diskutiert worden. Die Mitglieder des Bundesrats hätten die Zusammenarbeit und die Stimmung trotz extrem hohen Drucks aufgrund der Pandemie als gut bezeichnet. Als problematisch seien freilich Indiskretionen bezeichnet worden, welche offene Diskussionen und das Vertrauen im Bundesrat beeinträchtigen würden. Thomas de Courten (svp, BL) berichtete über die Erkenntnisse der GPK bezüglich Impfstoffbeschaffung des Bundes. Man sei zum Schluss gekommen, dass sich die Behörden angemessen verhalten hätten. Auch der Entscheid, nicht auf eine Eigenproduktion von Impfstoffen zu setzen, sei angemessen gewesen. De Courten betonte zudem, dass der Schweiz im schlimmsten Fall ab 2025 eine Strommangellage drohe. Das UVEK sei daran, mittels Taskforce die Versorgungssicherheit sicherzustellen. Auch Alfred Heer (svp, ZH) berichtete vorwiegend über die geführten Gespräche mit den Behörden. Gegenstand dieser Diskussionen sei unter anderem der Schutzstatus S gewesen, der es erlaube, dass Flüchtende aus der Ukraine in der Schweiz arbeiten dürften. Im Sexgewerbe bestehe allerdings die Gefahr, dass dies zur Ausbeutung von Frauen in Notsituationen führen könne. Dies werde zu wenig berücksichtigt, so ein Urteil der GPK. Der Bericht zur Aussenpolitischen Strategie 2020-2023 habe aufgrund des Ukraine-Krieges an Bedeutung gewonnen, betonte Isabelle Pasquier-Eichenberger (gp, GE) in ihrem Votum. Die Schweiz werde die sicherheitspolitischen Beziehungen mit den Nachbarn und mit supranationalen Organisationen aber auch die Neutralitätspolitik neu überdenken müssen. Zudem seien mit dem VBS auch die immer besser ausgebaute Cyberstrategie und die Probleme mit dem ehemaligen Munitionsdepot Mitholz diskutiert worden. Ab 2031 könne dort mit der Räumung begonnen werden. Auch der amtierende Bundespräsident, Ignazio Cassis, ergriff das Wort. Wie schon vor zwei Jahren erscheine der Jahresbericht wie «un regard en arrière sur un passé révolu». Aktuelle Geschehnisse würden den Bericht jeweils ziemlich veraltet aussehen lassen. Im Bericht fänden sich aber durchaus auch mehrere beschlossene Strategien, die in die Zukunft weisen, so etwa die «China-Strategie», die «nationale Strategie für die Gleichstellung von Frau und Mann» oder die Strategie für nachhaltige Entwicklung 2030. Zudem habe die Regierung erneut über 140 Geschäfte im Zusammenhang mit Covid-19 verabschiedet. Von den 123 Massnahmen mit denen die 18 Legislaturziele anvisiert werden sollten, habe der Bundesrat im Jahr 2021 deren 83 umgesetzt. Der Geschäftsbericht sei aber immer auch eine Gelegenheit für einen Austausch zwischen Regierung und Parlament und er bedanke sich bei der GPK für die guten Gespräche.
Zum Schluss der Berichterstattung zeigte sich dann, dass der Bericht doch auch auf Interesse stiess. Dem Antrag der Kommission, dem Bundesbeschluss über den Geschäftsbericht 2021 zuzustimmen und diesen so zur Kenntnis zu nehmen, stand nämlich ein Einzelantrag von Eric Nussbaumer (sp, BL) entgegen, den Bericht nur unter Vorbehalt anzunehmen. Das Legislaturziel 12 («Die Schweiz verfügt über geregelte Beziehungen mit der EU») könne mit dem Abbruch der Verhandlungen 2021 gar nicht erreicht worden sein; dies sei 2022 nur möglich, wenn die Verhandlungen wieder aufgenommen würden. Erst dann könne der Vorbehalt gegen den Geschäftsbericht 2021 aufgehoben werden. Mit 80 zu 100 Stimmen wurde der Antrag Nussbaumer abgelehnt. Dabei zeigte sich ein Graben zwischen den geschlossenen Fraktionen der SP (1 Enthaltung), der Grünen und der GLP auf der einen, sowie den Fraktionen der FDP-, SVP- und der Mitte auf der anderen Seite. In letzterer Fraktion überbrückten jedoch drei Mitglieder den Graben (Elisabeth Schneider-Schneiter BL; Heinz Siegenthaler BE; Marie-France Roth Pasquier, FR).

Wenige Tage später wurde der Bericht im Ständerat besprochen. Auch hier schienen die Voten der Berichterstatter nicht auf viel Aufmerksamkeit zu stossen. Darauf weist zumindest die Bemerkung von Matthias Michel (fdp, ZG) hin, der von «Genugtuung» sprach, «dass mindestens das Amtliche Bulletin unsere Ausführungen registriert». Die Kommissionssprecher brachten teilweise andere Aspekte des Berichts vor, als dies im Nationalrat der Fall gewesen war. So mahnte etwa Daniel Fässler (mitte, AI), dass Verbesserungsbedarf in der Kriminalitätsbekämpfung bestehe – insbesondere was die inter- und intranationale Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Strafbehörden betreffe, die sich freilich mit dem neuen Bundesanwalt verbessert habe. In der Bundeskanzlei sei das Vorhaben zur Einführung einer E-ID nach wie vor eine «grössere Baustelle». Die in der BK angesiedelte Digitalisierung der Bundesverwaltung sei aber immerhin mit einem Aktionsplan ergänzt worden. Othmar Reichmuth (mitte, SZ) berichtete über das aktuelle Personalreporting, das zeige, dass die Entwicklungen bezüglich Geschlechterverteilung und Anteil an Menschen mit Beeinträchtigungen in der Bundesverwaltung «in die richtige Richtung» gehe. Die Gespräche mit Bildungsminister Guy Parmelin hätten bestätigt, dass die Situation für Forschende aufgrund der Probleme der Schweiz bei Horizon Europe schwierig sei. Charles Juillard (mitte, JU) lobte den aussenpolitischen Bericht, der erstmals alle Departemente mit einbezogen hatte und dadurch die Kohärenz und das Profil der Schweizer Aussenpolitik stärke. Auch Julliard wies darauf hin, dass das Ziel der geregelten Beziehungen mit der EU wohl kaum noch in dieser Legislaturperiode erreicht werden könne. Marco Chiesa (svp, TI) ging in seinem Votum auf den dringlichen Rettungsschirm für systemkritische Stromunternehmen ein. Die «sehr kurzfristige Reaktion» sei nötig gewesen, weil ein allfälliger Schaden im Falle eines Systemzusammenbruchs immens wäre. Ein weiterer Punkt, den Chiesa kritisch hervorhob, war die Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen beim Übergang von der Sondersituation zur normalen Lage in der Covid-19-Pandemie: Während die Kantone den Bund nach wie vor in der Verantwortung sähen, vertrete dieser die Position, dass sich die Kantone untereinander abstimmen müssten, würden die Fallzahlen wieder steigen.
EU und Ukraine-Krieg als Querschnitthemen waren auch im Ständerat Thema. Matthias Michel erörterte die Diskussion, die die GPK mit dem Bundesrat zum Abbruch der Verhandlungen mit der EU über ein Rahmenabkommen geführt habe. Der Bundesrat habe erklärt, dass «zu viele rote Linien» und ein «zu enges Verhandlungsmandat» ursächlich für den Verhandlungsstopp gewesen seien. Es habe zudem an «Verhandlungsmasse» gefehlt, weil lediglich über institutionelle Fragen verhandelt worden sei. Die neue Strategie solle diesen Problemen gerecht werden. Michel ging auch auf das zweite Querschnittthema «Ukraine-Krieg» ein. Der Bundesrat habe seinen in den Medien als zögerlich beschriebenen Entscheid zur Übernahme der EU-Sanktionen damit erklärt, dass die Schweiz von der EU nicht vorgängig informiert worden sei. Zudem sei die Regierung daran, die Neutralitätspolitik zu überdenken. Auch im Ständerat fasste Bundespräsident Ignazio Cassis den Bericht am Schluss noch einmal zusammen, bevor der Bundesbeschluss in der kleinen Kammer stillschweigend angenommen wurde.

Geschäftsbericht des Bundesrates 2021
Dossier: Geschäftsberichte des Bundesrats

Am 2. September 2021 fand mit coronabedingter Verspätung im Nationalratssaal die offizielle Feier zum 50-jährigen Bestehen des Frauenstimm- und -wahlrechts statt. Dass die Schweiz den Frauen die politischen Rechte erst 1971 gewährte und diese somit im internationalen Vergleich ausserordentlich spät zu einer «ganzen Demokratie» wurde, habe mit den direkten Beteiligungsmöglichkeiten zu tun, erklärte Justizministerin Karin Keller-Sutter in ihrer Rede zur Feier. Mit Ausnahme von Liechtenstein hätten sonst in keinem Land der Welt die Männer über die Einführung des Frauenstimmrechts befunden. Neben dem Bundespräsidenten Guy Parmelin, der die Eröffnungsrede hielt, sprachen auch die ehemalige Bundesrätin Ruth Dreifuss, der frühere CVP-Generalsekretär Iwan Rickenbacher und eine der ersten Nationalrätinnen, Hannah Sahlfeld-Singer, zu den geladenen Gästen aus Politik und Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft. Hanna Sahlfeld-Singer – mit ihren zum Zeitpunkt der Wahl damals 28 Jahren jüngste Parlamentarierin und dazu die erste, die während ihrer Amtszeit Mutter wurde – richtete sich in ihrer Rede auch an die Männer: «Habt keine Angst vor selbstbewussten Frauen», meinte sie. «Seid gleichberechtigte Partner! Dann kann es gut für alle werden.» Auch Karin Keller-Sutter plädierte in ihrer Rede für mehr Gleichberechtigung, denn man könne «auch heute noch nicht das Ende der Geschichte ausrufen». Insbesondere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse verbessert werden – letzteres nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer. Darüber hinaus forderte die Bundesrätin auch eine stärkere Bekämpfung von sexueller und häuslicher Gewalt.
Auch die nur wenige Tage später zum selben Anlass durchgeführte gemeinsame Tagung des BJ und der Universität Bern gedachte nicht nur historischer Ereignisse, sondern blickte ebenso nach vorne, indem sie sich mit aktuellen Gleichstellungsfragen und Fragen zur Erteilung des Stimmrechts an weitere Gruppen befasste – so an Personen ohne Schweizer Pass, Minderjährige oder Personen unter umfassender Beistandschaft.

50 Jahre Frauenstimm- und Wahlrecht

En juin 2020, le Conseil national a refusé – par 102 voix contre 83 et deux abstentions – un postulat Schneider Schüttel (ps, FR) qui demandait un rapport sur les conséquences de la crise du Covid-19 en fonction du sexe. Le postulat a été combattu par l'UDC Martina Bircher (udc, AG), qui avait également combattu un postulat similaire, lancé également par une femme socialiste, Tamara Funiciello. Martina Bircher a repris le même argument, à savoir qu'elle estime important de ne pas faire une «crise de genre» de la crise sanitaire. Elle ajoute en outre, qu'il est exagéré de considérer toutes les différences sociales sous l'angle du genre, puisqu'elle connaît des femmes conduisant des transports en commun, ainsi que des pères au foyer. Ce sont ces arguments, ou peut-être l'apport du Conseiller fédéral Parmelin, qui a promis que le facteur genre serait traité dans les rapports prévus sur la gestion de crise, qui ont conduit à l'échec de l'objet.

Covid19-Krise - geschlechterspezifische Auswirkungen