Grössere Veränderungen als bei den Stadtratswahlen waren im Jahr 2022 bei den zeitgleich stattfindenden Gemeinderatswahlen in der Stadt Zürich zu beobachten. Zu den Verlierern zählte dabei vor allem das links-grüne Lager, das am Wahlsonntag lange um den Erhalt seiner Mehrheit im Stadtparlament bangen musste. Am Ende konnten die drei Parteien SP, Grüne und AL ihre Vormachtstellung im Zürcher Gemeinderat verteidigen, allerdings nur denkbar knapp mit 63 von 125 Sitzen. Als grösste Fraktion verlor die SP am stärksten: Sie büsste sechs ihrer Mandate ein und kommt mit einem Wähleranteil von 28.6 Prozent noch auf 37 Sitze. Die AL erlangte acht statt wie bisher zehn Sitze (Wähleranteil 6.6 Prozent). Zulegen konnten zwar die Grünen (plus zwei Mandate, neu 18 Mandate, Wähleranteil 14.3 Prozent), sie hatten jedoch mit einem deutlicheren Zugewinn gerechnet. Am anderen Ende des politischen Spektrums gab es mit der SVP eine weitere Verliererin: Sie musste drei Mandate abgeben und belegt mit 14 Sitzen und 11.1 Prozent Wähleranteil nur noch den fünften Rang innerhalb des Stadtparlaments. Dies ist für die Partei umso gravierender, als sie schon bei den Gemeinderatswahlen von 2018 sechs Mandate eingebüsst hatte. Die FDP konnte ihre Position behaupten (plus einen Sitz, Wähleranteil 17.5%) und ist nun mit 22 Personen im Gemeinderat vertreten. Noch etwas besser verlief der Wahltag für die GLP, die drei Mandate hinzugewinnen konnte (neu 17 Mandate, Wähleranteil 13.0%). Am meisten Grund zur Freude hatte jedoch die Mitte. Bei den Wahlen von 2018 war sie am geltenden Quorum (mindestens 5 Prozent Stimmenanteil in mindestens einem Wahlkreis) gescheitert. Nun übersprang sie das Quorum gleich in drei Wahlkreisen und schaffte so den Wiedereinzug ins Stadtparlament mit sechs Sitzen (Wähleranteil 4.3 Prozent). Die EVP büsste gegenüber 2018 einen Sitz ein und war somit noch mit drei Personen im Gemeinderat vertreten (Wähleranteil 2.7 Prozent). Am Quorum scheiterten die coronamassnahmenkritische Freie Liste, die PdA, I love ZH und Volt.
Die Wahlbeteiligung lag mit 42.9 Prozent um genau einen Prozentpunkt tiefer als vier Jahre zuvor. 34 Personen wurden neu in den Gemeinderat gewählt, während 19 Bisherige die Wiederwahl verpassten. Der Frauenanteil liegt neu bei 40 Prozent, was eine deutliche Steigerung gegenüber der Wahl von 2018 darstellt. Damals waren knapp 33 Prozent der Gewählten Frauen.

Dossier: Elections communales 2022