Im Kanton Genf wurde im Dezember 2020 eine neue Partei mit dem Namen «Élan Radical» gegründet. Sie sah sich in der Tradition des Parti Radical Genevois, der 2011 nach über hundertjährigem Bestehen mit dem Parti Libéral zum Parti libéral-radical (PLR) fusioniert hatte. Zum Gründungspräsidenten von Élan Radical wurde mit Roland-Daniel Schneebeli ein ehemaliges Vorstandsmitglied des PLR bestimmt. Er liess sich in den Medien dahingehend zitieren, dass er die Fusion seinerzeit zwar unterstützt hatte, von ihren Folgen aber enttäuscht worden sei. Aus radikaler Sicht brauche es einen starken Staat, damit dieser die Freiheiten der Bürgerinnen und Bürger schützen könne – was Schneebeli beim PLR offenbar zu wenig gewährleistet sah, auch wenn er es nicht explizit sagte. Die neue Gruppierung zählte bei ihrer Gründung nach eigenen Angaben 50 bis 100 Mitglieder, zwei Jahre später waren es weiterhin rund hundert.
Ideologisch sahen sich die Spitzenleute von Élan Radical auf gleicher Linie wie Pierre Maudet. Die neue Partei wurde gemäss deren Exponenten auch aufgrund der Enttäuschung über Maudets kurz zuvor erfolgten Ausschluss aus dem Genfer PLR gegründet. Maudet selbst schloss sich Élan Radical jedoch nicht an, sondern rief später seine eigene Bewegung «Libertés et Justice sociale» ins Leben.
Bei den kantonalen Parlaments- und Regierungswahlen 2023 trat Élan Radical erstmals zu Wahlen an, allerdings mit bescheidenem Erfolg: Bei den Grossratswahlen verfehlte Élan Radical mit 0.3 Prozent Wählendenanteil einen Sitzgewinn sehr deutlich, und bei den Staatsratswahlen landete Parteipräsident Schneebeli auf Rang 21 von 23 Kandidaturen.