Die Wahlen 2011 kamen einer eigentlichen Flurbereinigung gleich. Noch nie seit der Einführung der Proporzwahlen 1919 kam es zu derart vielen Sitzverschiebungen . In allen Kantonen, mit Ausnahme von Uri, Basel-Landschaft und den beiden Appenzell, kam es zu Wechseln der Sitze zwischen den Parteien. Insgesamt wechselten 41 Sitze die Partei (Nationalrat: 33 Sitzwechsel; Ständerat: 8 Sitzwechsel). Zum Vergleich die Sitzwechsel in früheren Jahren: 1975: 16; 1979: 16; 1983: 16; 1987: 19.5; 1991: 29.5; 1995: 28; 1999: 28; 2003: 23; 2007: 22.
Im Aggregat wirkten sich diese Sitzwechsel für die SVP negativ aus. Die Volkspartei hielt in der Bundesversammlung noch 59 Sitze (Nationalrat: 54, Ständerat: 5), also zehn weniger als nach den Wahlen 2007, Sie blieb damit allerdings gezählt an den Mandaten im gesamten Parlament die stärkste Partei, jedoch nur noch mit knappem Vorsprung. Dank des Gewinns von insgesamt fünf Sitzen (drei im Nationalrat, zwei im Ständerat) folgt gleich dahinter die SP mit 57 Mandaten (Nationalrat: 46; Ständerat: 11). Die FDP (Nationalrat: 30; Ständerat: 11) und die CVP (Nationalrat: 28; Ständerat: 13) verfügen beide neu über je 41 Mandate. Die CVP verlor insgesamt fünf und die FDP sechs Mandate in der Bundesversammlung. Trotz des Verlustes von fünf Mandaten blieben die Grünen mit insgesamt 17 Mandaten fünftstärkste Kraft im Schweizer Parlament (Nationalrat: 15; Ständerat: 2). Die GLP mit 14 Mandaten (Nationalrat: 12; Ständerat: 2) und die BDP mit 10 Mandaten (Nationalrat: 9; Ständerat: 1) konnten beide im Vergleich zu 2007 zehn Mandate hinzu gewinnen. Die fünf Bundesratsparteien hielten damit zusammen 208 der 246 Sitze. Dieser nach wie vor hohe Anteil (84,5%) war im Vergleich zu 2007 (85,3%) und 2003 (88,2%) weiter rückläufig. In den Medien wurde das Wahlresultat als Ende der Polarisierung und als Stärkung der (neuen) Mitte interpretiert. Allerdings sei es – so die Pressekommentare – schwierig, die neue Mitte zu fassen, die alles andere als ein monolithischer Block oder ein geeintes Zentrum sei, dafür aber zahlreiche neue Allianzen ermögliche, was für die anstehenden Probleme (Atomausstieg, Sozialstaat, Krankenkasse, Militärbeschaffungen) durchaus auch als positiv bewertet wurde, da Konsenspolitik wieder wichtiger werde. Erwartet wurde eine etwas grünere, wirtschaftsfreundlichere und reformfreudigere Politik.