Im Februar 2022 wurde in Genf eine neue Partei unter dem Namen «Civis» gegründet. Vier Monate nach ihrer Gründung zählte sie gemäss einem Medienbericht rund 40 Mitglieder. Gründungspräsident und treibende Kraft war Luc Barthassat, der einst für die CVP im Nationalrat und im Genfer Regierungsrat gesessen hatte. Nach seiner Nichtwiederwahl und einem Parteiwechsel war er dann 2020 für das Mouvement Citoyens Genevois in das Genfer Stadtparlament gewählt worden. Dort politisierte er nach der Gründung seiner neuen Partei als Fraktionsloser weiter.
Civis versucht sich vor allem dadurch von den traditionellen Parteien abzugrenzen, dass sie eine «partizipative» Partei sei und «den Genferinnen und Genfern endlich wieder eine Stimme» gebe. Sie organisiert deshalb öffentliche Versammlungen und Hackathons und nimmt Ergebnisse daraus in ihren Forderungskatalog auf. Die Partei verweist darauf, dass sich ihre so gewonnenen Positionen und Ideen nicht an gängige politische Trennlinien hielten, im Links-Rechts-Schema lasse sie sich deshalb nicht verorten. In der Tat wirkt ihr Programm relativ heterogen und umfasst etwa die Abschaffung der Hundesteuern für Pensionierte, die Einrichtung einer kantonalen «Bürgerkasse» als Alternative zu den privaten Krankenversicherungen, mehr Polizeipatrouillen, Steuererleichterungen für Unternehmen mit Lehrlingsausbildung, die Installation von Stromzählern in Mietwohnungen als Anreiz zum Energiesparen oder die Senkung des Wahlquorums bei den Genfer Grossratswahlen von fünf auf vier Prozent.